Erdstall

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Nach verschiedenen Befragungen der Bewohner von Neukirchen-Balbini wurden wir auf einen Erdstall im Keller des Herrn Ruhland (Hausname Schießl), alte Hausnummer 6, jetzt Fronauer Str. 5, Plan-Nr. 8, hingewiesen. Durch den Keller fließt übrigens das Wasser einer nahe gelegenen Quelle. Mit Einverständnis des Besitzers wurde die Kellerwand hinter einem Wasserkessel durchbrochen, die vor ca. 25 Jahren vermauert wurde. Nach der Beseitigung des jüngeren Verfüllmaterials beim Eingang (ca. 1 cbm) wurde vom Boden des Gangs eine Schicht von 10 - 20 cm abgetragen. In dieser Schicht und im Verfüllmaterial fand das Ausgrabungsteam auffallend viele Tonscherben (ca. 300) recht unterschiedlichen Alters, Glasscherben, Ziegelbrocken, Eisenringe und weitere Eisenteile.Die Häufigkeit der Fundgegenstände nimmt im hinteren Teil des Ganges ab.

 

Vom Hauptgang zweigt linker Hand eine Kammer ab. Der Hauptgang verjüngt sich dann zu einem Schlupf, hinter dem eine quer gestellte Schlusskammer liegt. Der Verfüllkegel bestand ausschließlich aus Sand, der vermutlich durch eine armdicke Röhre vom Stall her eingeschwemmt war. Das Gangsystem wurde in ein zerklüftetes Gestein getrieben, so dass Decke und Wände sehr rauh und unregelmäßig ausgebildet sind und sich so keine Bearbeitungsspuren feststellen lassen.

 

Zu beachten ist die trichterförmige Eingangsöffnung hinter der Vermauerung. Die ursprüngliche Gestaltung der Öffnung kann durch die spätere Abmauerung heute nicht mehr festgestellt werden. Möglicherweise wurde der Erdstall nach dem Brand des Hauses im Jahre 1842 durch den Einbau des Kellers verkleinert. Der Gang war nach der Öffnung der Mauer relativ trocken; nach der Beseitigung der Bodenschicht sammelte sich langsam Grundwasser und es bildeten sich Schimmelpilze.
Frau Jobst (geb. Ferstl) und Herr Ruhland haben uns berichtet, der alte Meier hätte ihnen erzählt, wenn eine Gans im Schrazelloch schreit, hört man´s am Steinbicherl, also müsste es einen Gang zum Steinbicherl geben. Lt. Frau Jobst war früher auch in Neukirchen die Redensart verbreitet: Lass d´Ratzel arbeiten.

 

Auszug aus "Der Erdstall" Nr. 7, 1981Heft des Arbeitskreises für Erdstallforschung
(Theo Männer, Otto Reimer, Michael Fleischmann)