Verwaltungsgemeinschaft
Neunburg vorm Wald
 
Gemeinde
Dieterskirchen
 
Markt Neukirchen-
Balbini
 
Markt
Schwarzhofen
 
Gemeinde
Thanstein
 
Neunburg vorm Wald vernetzt
09672/92050
Teilen auf Facebook   Teilen auf Twitter   Drucken
 

Pfarrkirche "Maria von Siege"

Bereits aus der Karolingerzeit um 800 sind sichere Beweise einer Ansiedlung vorhanden. Der Name bezeugt, dass schon lange ein bedeutender Hof an der Schwarzach bestanden haben muss. Es ist die Rede von einem Münchs- oder Mönchshof. Mit großer Sicherheit darf angenommen werden, dass zu dieser Zeit schon eine erste kleinere Kirche errichtet worden war.


Im 10. Jh. bereits dürfte ein größeres Gotteshaus an der Stelle entstanden sein, wo heute die Pfarrkirche steht. Darauf weist das Laurentiuspatrozinium hin, das die meisten Kirchen aus dieser Zeit tragen.Wahrscheinlich wurde die ursprünglich freie Landkirche zur Eigenkirche der Grafen von Ortenburg mit Sitz in Oberviechtach.


Die erste kirchliche Gliederung des Bistums setzte sich aus meist weiträumigen Urpfarreien zusammen, deren Abgrenzung sich nach den örtlichen Verhältnissen und der Entwicklung richtete. Zu den ältesten Pfarreien in unserem Raum gehören neben den Urpfarreien Chammünster und Perschen u. a. auch Roding, Oberviechtach und Schwarzhofen, deren Gründung in das 12. Jh. fällt.


1237 schenkte Heinrich Graf von Ortenburg-Murach Schwarzhofen dem Dominikanerinnenkloster "Hl. Kreuz" zu Regensburg. Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei bestätigte Bischof Siegfried von Regensburg 1238 und 1244, desgleichen Papst Innozenz 111. 1245. Die Regensburger Nonnen gründeten nun in Schwarzhofen ein Kloster, das bereits 1260 bestand.


1307 erscheint Neunburg v. W. als Tochterkirche von Schwarzhofen. Desgleichen waren Katzdorf, Mitter- und Unterauerbach Filialen. Das Register von 1438 verzeichnet außer einem ständigen Pfarrvikar einen Prediger, zwei Hilfspriester, einen Kaplan bei St. Jakob in Neunburg, einen zweiten im Spital und einen Frühmesser am Ort.


Von besonderer Bedeutung für das Dominikanerinnenkloster wie für den gesamten Ort war der Aufenthalt von Kaiserin Elisabeth, der Gemahlin von Kaiser Konrad IV. (1250-54). In ihrer Seelenangst um den Sohn Konradin suchte sie bei den Nonnen Zuflucht, um im Chorgebet Kraft und Stärke für das Hohenstaufische Kaisergeschlecht zu erflehen. Ihr Sohn, der letzte Spross dieses Geschlechts, reiste nach Italien, um sein Erbreich wieder zurückzugewinnen. Gegen jedes Recht wurde er nach verlorener Schlacht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als die Mutter von der Gefangennahme ihres Sohnes erfuhr - er war wohl inzwischen schon enthauptet -, reiste sie sofort nach Italien, um seine Befreiung zu erwirken. Auf dem Wege dorthin traf die unglückliche Kaiserin und Mutter die Schreckensnachricht vom Tode ihres Sohnes.


Nach dieser Blütezeit verdüstert sich die Geschichte dieses Konvents. 1276 wurden die Gebäude verwüstet. Die Ursache mag wohl in der feindlichen Auseinandersetzung zwischen König Ottokar von Böhmen und Kaiser Rudolf zu sehen sein. Lange Zeit bleibt die Geschichte im dunkeln.


Im Jahre 1418 fielen von Böhmen her die Anhänger des als Ketzer verbrannten Jan Hus in Schwarzhofen ein und legten den Ort samt Kirche in Schutt und Asche. Von der einleitend erwähnten ersten großen Kirche blieben nach der Zerstörung lediglich die Untergeschosse der beiden Türme erhalten, von der Ausstattung ein romanisches Taufbecken sowie Fragmente eines halb romanisch, halb gotisch anmutenden Sakramentshäuschens.


Die Errichtung des Gotteshauses erfolgte wiederum zweitürmig wie zuvor; es wurde reich mit Elementen der gotischen Kunstepoche ausgestattet. Das eingegangene Kloster scheint als Propstei verwaltet worden zu sein, bis es durch den Zustrom von Nonnen gegen Ende des 15. Jh. wieder in die Reihe der Klöster aufgenommen wurde.


1526 benutzte Pfarrer Lainhart zum ersten mal das Neue Testament Martin Luthers auf der Kanzel. Nach vielen Weigerungen und großem Unwillen von Seiten der Bevölkerung musste sie schließlich doch den neuen Glauben annehmen. So war man fortan evangelische Pfarrgemeinde.


Bis 1583 währte nun eine Zeit der Ruhe. Als Kurfürst Ludwig VI. starb, übernahm dessen Bruder Casimir die Vormundschaft von Ludwigs Sohn Friedrich, der eine strenge, reformierte Erziehung erhielt. Als Johann Casimir 1592 starb, übernahm Friedrich IV. die Regierung. Überall fürchtete man neue verschärfte Versuche der Calvinisierung des Landes. Obwohl es deshalb 1592 zu Unruhen kam, gingen diese Bestrebungen weiter. Auch in Schwarzhofen führte dies dazu, dass erneut der Glaube gewechselt werden musste. Die Folgen dieser Calvinisierung waren ein Sittenverfall in der Bevölkerung.

Während der Zeit der Reformation wurde die Filiale Neunburg nach über 300Jahren Zugehörigkeit von der Mutterpfarrei abgetrennt und selbständig.


Mit dem Prager Fenstersturz 1618 und dem Sieg der Katholischen Liga am Weißen Berg begann auch in der Oberpfalz der Katholizismus wieder aufzublühen. Der calvinische Geistliche wurde 1625 aus Schwarzhofen vertrieben; in die frei gewordene Pfarrstelle zog als erster katholischer Geistlicher nach der Reformation Caspar Degemayr ein.


In den schweren Zeiten der Glaubenswechsel hatte die Pfarrkirche viel von ihrem früheren Glanz verloren. Deswegen war der Brand 1717, bei dem ein Großteil des Schiffs zerstört wurde, für die Bevölkerung nicht "so schmerzlich". Das Langhaus wurde völlig zerstört, der Chor blieb gänzlich erhalten.


Das Langhaus wurde sodann im Stil des Barock in einfachen Formen neu errichtet und ausgestattet. Der Saalbau fügt sich gut dem gotischen Chor an, der damals auch barocke Pracht erhielt. In dieser Zeit führte man, wohl auf fehlende Mittel zurückzuführen, nur noch einen Turm auf; der zweite besteht noch im Untergeschoss und beherbergt eine Taufkapelle.


Die Kämpfe der Reformationszeit zwangen, die Dominikanerinnen, ihr Kloster zu verlassen. Erst 1691 kehrten sie zurück. Aber bereits nach 21 Jahren war der Konvent auf 33 Nonnen angewachsen, so dass die Niederlassung zum Priorat erhoben werden konnte. Die Pläne zur neuerrichteten Klosteranlage, einem einfachen Vierflügelbau, dürften sicher von dem berühmten Baumeister Wolfgang Dientzenhofer d. Ä. stammen.


Die erste Priorin, Maria Quinanda Fredelberger, begann mit dem Bau einer eigenen Klosterkirche. Bisher hatte die Pfarrkirche zugleich den Ordensfrauen als Gottesdienstraum gedient. Am 9. Oktober 1755 wurde sie unter dem Patronat "Maria vom Siege" eingeweiht.


Der Bestand des Klosters schien gesichert, bis die Säkularisation 1802 diesem ein jähes Ende setzte. Nach Abzug der Dominikanerinnen begann der Verkauf des Klostergutes: Die Klostergebäude gingen in den Besitz der Handelsfrau und Tafernwirtin Zenger über. Die Klosterkirche wurde um 300 Gulden versteigert, mit dem ausdrücklichen Befehl der Zerstörung, und es heißt in der Chronik: "Es dauerte fünf ganzer Jahre", sie abzubrechen.


Das Jahr 1888 ist von besonderer Bedeutung für die Ausstattung der Pfarrkirche. In diesem Jahr nämlich erhielt das Gotteshaus das Prunkstück der Ausstattung, den Marienaltar. Interessant ist die Geschichte dieses Kunstwerks, sowie sein Erwerb durch die Pfarrei Schwarzhofen.


1723 bekam die Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg einen neuen Hochaltar, auf dem das dortige Gnadenbild seinen Platz zur Verehrung fand. Im Lauf der Jahrzehnte schwand bei den verantwortlichen kirchlichen Behörden nach und nach das Verständnis für die Rokokokunst (zumal in einer rein gotischen Kirche!). In der Diözese Regensburg fand die Kirchenpurifizierung in der Person von Domvikar Georg Dengler einen großen Förderer. Dieser erwarb den Barockaltar 1886 um 1200 Mark und brachte ihn zu Gürtlermeister Götz nach Regensburg, der ihn auf Veranlassung Denglers wiederherstellte. Eine Äußerung Pfarrer Leismillers (Bogenberg) lässt Schlüsse auf den damaligen Zustand des Kunstwerks zu; er bezeichnete den Altar nämlich als "wertlosen alten Holzkasten".


Mit Sicherheit war der Altar schon zum Zeitpunkt seines Verkaufs nicht mehr vollständig. "Die dem Strahlennimbus unterlegten Samtteile des Altares und die silbernen Sternlein wanderten offenbar nicht mit nach Schwarzhofen. Sie dürften wohl verbrannt und die Silberteile eingeschmolzen dem immer leeren Beutel der Kirchenstiftungskasse zugeflossen sein."


Auch der mit auserlesenen Goldfiligranen ausgeschmückte Tabernakel ging verloren. Nach Angaben des Altbürgermeisters Ortner (Bogenberg, 1932) hat seinerzeit Maler Hafner aus Straubing den Tabernakel dorthin mitgenommen und dafür den Betrag von 100 Mark (!) bezahlt. Wohin der bedeutend wertvollere Tabernakel geriet, kann nicht mehr ermittelt werden.


Auf Vermittlung des Gastwirts Bruckmeier ("Zur alten Post") in Bogen, der aus Schwarzhofen stammte und dort eingeheiratet hatte, kam der Erwerb des Kunstwerks durch die Pfarrei Schwarzhofen zustande. 1971 wurde die Laurentiuskirche dem Patronat "Maria vom Siege" unterstellt, zur Erinnerung an die nach 1803 abgebrochene Klosterkirche.


9. April 1972: " Gegen 15.45 Uhr brach ebenerdig im Kirchturm der ... Pfarrkirche ... ein Brand aus, der den ganzen Turm erfasste. Wegen Einsturzgefahr ... mussten die angrenzenden Wohnhäuser geräumt werden. Gegen 17 15 Uhr stürzte das brennende Turmdach auf das Kirchendach, so dass Gefahr bestand, dass der Brand auf die gesamte Kirche übergreifen könnte." Dies wurde glücklicherweise durch den unermüdlichen Einsatz der Feuerwehren verhindert. Der Schaden belief sich auf rund eine halbe Million DM.


Wegen drohender Einsturzgefahr musste der Turm bei der Wiederherstellung bis zu den Turmfenstern abgetragen werden; erst dann konnte mit dem Neuaufbau begonnen werden.


Die neue Kirchturmspitze wurde im August des genannten Jahres geliefert. Von der Firma Ferdinand Hasl, Bodenwöhr-Blechhammer angefertigt, ist sie fast 18 m lang und über 3 t schwer. 25 000 DM kostete das Wahrzeichen des Marktes. Wenig später trafen auch die neuen Glocken ein, die alten waren bis auf Reste zusammengeschmolzen.